Updates on Menstrual cups for refugee women in Nigeria

Unser Projekt auf deutsch ;)
Update posted by Nadine Haumann On Mar 04

Für die, die lieber auf deutsch über unser Projekt lesen möchten, hier alle Infos:

Unser Projekt:

Wir wollen Frauen und Mädchen in einem Flüchtlingscamp nahe Abuja in Nigeria mit dringend benötigten Hygieneprodukten versorgen. Menstruationstassen sind hierfür die perfekte Lösung, denn sie bieten sicheren Schutz für bis zu 12 Stunden am Stück und sind lange haltbar (bis zu 10 Jahre!), das macht sie zusätzlich äußerst umweltfreundlich. Unser Ziel ist, mindestens 100 Menstruationstassen an Frauen und Mädchen zu verteilen, und sie außerdem über die richtige Anwendung und die nötige Hygiene unterrichten, auch für Fragen und persönliche Betreuung nehmen wir uns Zeit.

Wir haben das Camp vorab mehrmals besucht und mit einigen der Frauen gesprochen, um sicher zu stellen, dass unsere Idee auch tatsächlich in einer Weise hilft, die benötigt and gewollt wird. Wir haben wertvolle Unterstützung durch "Luv Ur Body" Menstruationstassen, ein Unternehmen mit Sitz in Nigeria. Die Möglichkeit, die benötigten Tassen direkt vor Ort zu bekommen erlaubt uns, besonders effektiv zu arbeiten.

Sollten wir mehr Spenden sammeln können, als wir für die Menstassen benötigen, können und werden wir das Camp zusätzlich mit anderen dringend benötigten Dingen unterstützen, wie Nahrungsmittel, Windeln, Schulmaterialien für die Kinder und alles, was sonst gebraucht wird. Die Menschen in diesem Flüchtlingscamp haben ihr Zuhause aufgrund des Terrors durch Boko Haram im Norden des Landes verloren und sind fast ausschließlich auf Hilfe von außerhalb angewiesen.


Unsere Geschichte und detaillierte Informationen:

In letzter Zeit rückt die Menstruation zunehmend ins Bewusstsein und immer mehr Frauen sind es leid, diesen natürlichen Vorgang zu verstecken, verheimlichen oder dafür mit Scham belegt zu werden. Rupi Kaur aus Toronto postete ein Photo auf Instagram, das sie im Bett mit einem kleinen Blutfleck auf dem Laken und ihrer Pyjama-Hose zeigt – etwas, das sicher fast alle Frauen nur zu gut kennen – und die Social Media Seite entfernte das Bild, weil es gegen die Community-Richtlinien verstoße. Rupi Kaur wehrte sich mit Hilfe ihrer Follower – und erreichte schließlich, dass das Bild blieb.

Kiran Gandhi machte letzten Sommer Schlagzeilen, als sie den London Marathon „frei fließend“ ohne Tampon oder Binde lief, um ein Zeichen gegen „period shaming“ zu setzen und wurde dafür von vielen Frauen gefeiert.

Und besonders „alternative“ Hygieneprodukte rücken immer mehr in den Fokus, zahlreiche Blogs und mittlerweile sogar Frauenzeitschriften berichten über Menstruationstassen und waschbare Binden. Obwohl praktisch keine herkömmliche Werbung für Menstruationstassen gemacht wird, verbreitet sich die Kunde, übers Internet, im Freundeskreis, in der Familie, Frauen lieben diese wunderbaren kleinen Helferlein, und empfehlen sie liebend gerne weiter. Ich selbst benutze eine Tasse seit einigen Jahren, und möchte sie nicht mehr missen! Es scheint, als entstünde um diese umwelt- und körperfreundlichen Produkte eine Art eingeschworene Schwesternschaft – da ist es nicht verwunderlich, dass auch der soziale Gedanke mitspielt. Denn mit dem vermehrten schamfreien Reden über die Menstruation steigt auch das Bewußtsein dafür, dass nicht alle Frauen Zugang zu Hygieneprodukten haben. Wie so oft trifft es überwiegend die Ärmsten der Armen: Obdachlose Frauen, und Frauen in Entwicklungsländern. Während für uns der Zugang zu Binden, Tampons und anderen Produkten selbstverständlich ist, sind diese für viele Frauen nicht verfügbar oder sie können sie sich schlicht nicht leisten…

Was ist eine Menstruationstasse?

Die Menstruationstasse ist ein kleiner, flexibler Becher aus Silikon oder medizinischem Kunststoff, der in die Vagina eingeführt das Menstruationsblut auffängt. Die Tassen haben alle Vorzüge von Tampons, aber keinen ihrer Nachteile: Sie sind hygienischer, trocknen die Scheidenflora nicht aus, sind bis zu 10 Jahre verwendbar, vermeiden Müll und sind bisher auch nicht mit dem berüchtigten Toxic Shock Syndrome (TSS) in Verbindung gebracht worden. Die Pflege ist einfach, es genügt, die Tasse mit Wasser und evtl. milder Seife zu waschen und regelmäßig auszukochen. Und sie erlauben Frauen die größtmögliche Freiheit während der Periode!

Hoch die Tassen! Unser Projekt und die Idee dahinter

Auf meiner 5wöchigen Reise nach und durch Nigeria letzten Herbst ist mir auch hier aufgefallen, dass der Zugang zu Hygieneprodukten oft schwierig ist, viele Frauen wissen nicht einmal, dass es entsprechende Produkte gibt, und behelfen sich mit Lumpen, Papier oder Stoffresten. Häufig bedeutet aber auch, die Periode zu haben schließt Frauen und Mädchen von Alltagsaktivitäten aus, und Mädchen verpassen regelmäßig wertvolle Schultage. Mangelnde Hygiene aufgrund unzureichender Behelfe, um das Menstruationsblut aufzufangen, führen nicht selten zu Gesundheitsproblemen und Infektionen – davon abgesehen, dass sie unbequem und unangenehm zu tragen sind.

Und noch etwas ist mir in Nigeria aufgefallen: Müll und Müllentsorgung ist häufig ein großes Problem. Wegwerfbinden und Tampons aber bilden im Laufe des Lebens einen immensen Müllberg, der ganz einfach zu vermeiden wäre: Mit wiederverwendbaren Produkten wie Stoffbinden und eben Menstruationstassen.

Wegen der langen Haltbarkeit der Tassen (5 bis 10 Jahre!) wird also nicht nur viel Müll vermieden, sondern auch Hilfe und Nutzen für lange Zeit gewährleistet. Würde man an bedürftige Frauen Tampons und Binden verteilen, wären diese innerhalb kurzer Zeit aufgebraucht und der Bedarf an Nachschub versiegt nie. Mit einer Menstruationstasse hat eine Frau für Jahre ausgesorgt – für eine sorgenfreie Periode. Da eine Menstruationstasse gut und gerne 12 Stunden Schutz liefern kann, macht sie Frauen unabhängiger, sie sind nicht mehr so stark auf öffentliche Toiletten angewiesen (wenn es überhaupt welche gibt), sondern können ihre Tasse in Ruhe morgens und abends im häuslichen Umfeld wechseln, während sie tagsüber nicht mehr an ihre Periode denken müssen. Ganz ehrlich: Seit ich die Tasse verwende, hat sich mein Leben während meiner Periode mehr als vereinfacht – für diese Frauen kann sich noch viel mehr verbessern! Und wenn kein Geld mehr für Wegwerf-Binden ausgegeben werden muss, bleibt mehr übrig, um für sich und seine Familie zu sorgen.

Wo Hilfe am nötigsten gebraucht wird: Flüchtlingscamp bei Abuja

Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Vorzüge der Tassen für bedürftige Frauen zugänglich machen können und wo diese am nötigsten gebraucht würden. Es gibt in Nigeria leider viele Möglichkeiten, die größte Tragödie spielt sich derzeit jedoch vermutlich im Norden des Landes ab, wo aufgrund des Terrors der islamistischen Boko Haram Gruppe seit etwa 2010 rund 1,5 bis 2 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren und fliehen mussten. Der breiten Öffentlichkeit wurde Boko Haram auch durch die Entführung hunderter Mädchen bewußt, von denen bisher nur wenige befreit werden konnten. Als Terroristen im Januar 2015 die Büros der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris stürmten und 12 Menschen ermordeten, starben zur gleichen Zeit rund 2000 Menschen durch Boko Haram. Die Terrororganisation soll sich 2015 offiziell der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) angeschlossen haben. Regelmäßig kommt es im Norden des Landes zu Anschlägen, zu denen sogar junge Mädchen benutzt werden – eine Selbstmordattentäterin in Kano war gerade mal 11 Jahre alt. Tausende Menschen haben ihr Leben verloren und wurden ermordet, vor allem Christen aber auch Muslime, die die Sekte nicht unterstützen wollen.

Eines der Flüchtlingscamps befindet sich am Rand der Hauptstadt Abuja. Bei Besuchen dort konnten wir mehr über die Zustände erfahren. Derzeit leben knapp 1000 Menschen in dem Lager, das aus improvisierten Unterkünften und Zelten besteht. Das Camp wurde bereits im Jahr 2013 errichtet und wird vor allem von Flüchtlingen aus den Bundesstaaten Borne, Yobe, Adamawa und Bauchi bewohnt. Viele von ihnen sind Farmer, eine Arbeit zu finden ist sehr schwer. Jüngst gab es einige kleine Verbesserungen, die Wasserversorgung wurde durch eine Pumpe mit Generator und eine kleine Solaranlage ausgebaut, so dass zumindest Zugang zu sauberem Wasser besteht. Es gibt jedoch nahezu keine medizinische Versorgung, zwar gibt es einen Container mit der Aufschrift „Klinik“, doch ist er offensichtlich noch nicht in Betrieb, ab und zu kommen Ärzte für einfache Untersuchungen, doch die Versorgung mit Medikamenten ist unzureichend, Malaria und Typhus gefährden vor allem die Kinder.

Mittlerweile gibt es eine kleine Schule im Freien unter einem Baldachin für die jüngeren Kinder etwa bis Grundschulniveau, eine Organisation versucht, weitere Schulbildung zu ermöglichen. Andere Helfer organisieren berufsbildende Trainings, an denen ein paar der Bewohner jeweils teilnehmen können.

Da jedoch kaum jemand Arbeit findet, um für den eigenen und den Lebensunterhalt der Familie aufzukommen, sind das Camp und seine Bewohner nahezu ausschließlich auf Hilfe von außerhalb angewiesen. Es besteht Bedarf für viele Arten von Unterstützung und Hilfe, wir haben uns entschieden, mit der Unterstützung der Frauen anzufangen. Ist es uns möglich, mehr Spenden zu sammeln als wir hierfür benötigen, werden wir unser Engagement ausweiten und die Menschen mit Nahrungsmitteln, Windeln, Schulmaterialien und anderem, was noch benötigt wird, unterstützen. Kein Cent wird vergeudet!


Was wir tun wollen

In Interviews haben Frauen bestätigt, dass Bedarf für gute Frauenhygieneprodukte da ist, viele haben vorher nicht einmal gewusst, dass es diese Produkte gibt und behalfen sich mit Lappen und Stoffstücken.

Wir möchten mit unserem Projekt diesen Frauen helfen und sie mit Menstruationstassen ausstatten. Helfer vor Ort werden uns dabei unterstützen, den Frauen die richtige Anwendung zu erklären und zu zeigen, damit die Tassen richtig benutzt werden. Wir haben vor, in kleinen Gruppen zu arbeiten und auch für persönliche Gespräche nehmen wir uns Zeit. Alle Spenden fließen zu 100% in dieses Hilfsprojekt!

Mit den Spenden werden wir den Kauf der Menstruationstassen sowie die nötigen Ausgaben für Transport, Schulungs- und Informationsmaterialien, Gebühren, Verwaltungsaufwand und eine Aufwandsentschädigung für unsere zusätzlichen Helfer finanzieren. Wir werden unsere Spender über unsere Fortschritte auf dem Laufenden halten und ausführlich über die Aktion selbst berichten, mit Photo- und Videomaterial, damit ersichtlich ist, wohin die Spenden fließen.

Wir haben auch Kontakte zu einer örtlichen Gesundheitsorganisation, die sich sehr interessiert an dem Projekt zeigt und dieses bei Erfolg gerne ausweiten möchte. Andere, ähnliche Projekte zeigen gute Erfolge. Manche Hersteller von Binden und Tampons etwa spenden an obdachlose Frauen. Das Projekt "The Cup" versorgt Schulmädchen in Kenia mit Menstruationstassen – und dort werden diese dankbar angenommen. Viele Mädchen versäumen Unterricht weil sie kaum ausreichende Hygieneprodukte haben und während ihrer Periode zuhause bleiben müssen. Die Tassen erlauben ihnen, sich freier zu fühlen und auch während der „Tage“ allen Aktivitäten nachgehen zu können. Unser Vorhaben ist von dieser Initiative inspiriert.

Solche Hilfsprojekte zeigen, dass viel Bedarf für solche Produkte besteht – und dass Frauengesundheit und Frauenrechte eng zusammen hängen. Beides sind Themen, die mir sehr am Herzen liegen. Habe ich in der Vergangenheit selbst etliche kleinere Projekte sowie Frauenrechtsorganisationen unterstützt, möchte ich selbst aktiv werden und dort helfen, wo es dringend nötig ist. Wir haben Unterstützung vor Ort, die gewährleistet, dass auch alles dort ankommt, wo es soll, die hilft, Sprachbarrieren zu überwinden und die Kontakt zu weiteren Helfern herstellen kann. Denn ich finde, was für „uns hier“ selbstverständlich ist, sollte es überall sein. Und die Periode ein natürlicher, schamfreier Vorgang im weiblichen Körper, der so angenehm wie möglich gemacht sein sollte.

Unsere Unterstützer

Wir sind begeistert, eine perfekte Partnerin für unser Vorhaben gefunden zu haben und haben wertvolle Unterstützung durch "Luv Ur Body" Menstruationstassen gefunden. Wir stehen in Kontakt zur Inhaberin des Unternehmens mit Sitz in Nigeria und können die Tassen zu besonderen Konditionen bekommen. Da wir die Tassen direkt vor Ort kaufen können, sparen wir Ausgaben für Transport, Versandkosten, Zölle und Gebühren und können noch effektiver arbeiten. Zudem können wir ein junges Unternehmen vor Ort unterstützen. Wir freuen uns riesig über diese Zusammenarbeit!


Mit Deiner Spende hilfst Du uns, Frauen in Nigeria zu unterstützen, die Autonomie über ihren Körper zurück zu gewinnen und ihre Periode unter menschenwürdigen Bedingungen zu erleben. Denn was für uns hier selbstverständlich ist, sollte es überall sein!

Herzlichst,

Nadine & Ifeanyi


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